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Studie: Virtual Reality, mobile Assistenten und 5G lassen Verbraucher kalt

Nichts für die Masse

Der Hype rund um Brillen und Systeme für die virtuelle Realität ist erst einmal genauso abgeflaut wie um Siri & Co., hat das Beraterhaus Deloitte in einer repräsentativen Umfrage herausgefunden. Die Vorfreude auf 5G sei überschaubar.

Auch Berater müssen mal zurückschalten. Verkündete die Firma Deloitte voriges Jahr noch gemeinsam mit dem Digitalverband Bitkom, dass Virtual Reality (VR) ein "riesiges Potenzial" habe und vor allem den Spielemarkt revolutionieren könne, spricht sie nun auf Basis neuer Zahlen von einer "Flaute nach dem Hype". Angebote aus dem Bereich virtueller Realität hätten bislang "die in sie gesetzten Erwartungen enttäuscht", konstatieren die Marktbeobachter. Der entsprechende Hardware-Bestand sei gegenüber dem Vorjahr nur unwesentlich gestiegen, eine Trendwende lasse auf sich warten.

Virtual Reality bleibt in der Nische

Diese Erkenntnisse lassen sich ableiten aus den Resultaten der siebten Auflage des "Global Mobile Consumer Survey" von Deloitte, für den das Unternehmen weltweit im Juli über 53.000 repräsentativ ausgewählte Verbraucher in 33 Ländern online befragte, rund 2000 davon in Deutschland. Die virtuelle Welt in Form von VR ist demnach hierzulande noch nicht in der Realität angekommen und von einem Massenphänomen weit entfernt: Entsprechende Ausrüstung ist nur in drei Prozent der hiesigen Haushalte vorhanden, vergangenes Jahr waren es zwei Prozent.

Wenn überhaupt, geht der Trend zu höherwertiger VR-Hardware: Der Anteil sogenannter Full-Feature-Brillen am gesamten Gerätebestand ist um fast das Doppelte auf 32 Prozent gestiegen, während einfache "Cardboards" an Bedeutung verloren haben. Auf absehbare Zeit konnten die Analysten auch keine ernsthaft zunehmende Kaufabsicht in breiten Bevölkerungsschichten erkennen. Allenfalls seien "eher die Jüngeren für die Technologie zu begeistern"; zudem könnte eine "verstärkte Vermarktung VR-geeigneter Smartphones das Interesse" heben. Noch fehle aber oft "der erkennbare Mehrwert von Virtual-Reality-Anwendungen".

Sprachassistenten nur für Minderheit interessant

Nur wenig gefragter sind smarte Sprachassistenten, die auf vielen Smartphones bereits installiert sind. Lediglich 18 Prozent der Befragten verwenden Dienste wie Siri, Google Now & Co. Die iPhone-Besitzer zeigten sich dabei etwas aufgeschlossener für die Stimmbegleitung als Android-Nutzer. Der Service werde größtenteils eingesetzt, um Navigationsfunktionen zu steuern, wenn gerade etwa im Auto keine Hand frei sei, oder zur Informationssuche beziehungsweise zur Unterhaltung. In den Bereichen Wetter, Reise oder Verkehr würden Sprachdienste weniger genutzt.

Das Smartphone werde aber "zunehmend zur mobilen Leinwand", haben die Berater erkannt. So würden Mobilgeräte mittlerweile auch für den Konsum längerer Videos und Filme herangezogen und blieben wie 2016 bei 30 Prozent der Anwender das Medium der Wahl für kurze Clips. Als "Videokamera" gewännen sie ebenfalls an Beliebtheit. Gegenüber dem Vorjahr verdoppelte sich die Mobiltelefon-Nutzung für Live-TV, Fernsehen über Mediatheken-Bestände sowie Streamen von Filmen auf Werte um 12 bis 13 Prozent.

5G wird nicht herbeigesehnt

Trotz der intensiveren Bewegtbildnachfrage schenken die Verbraucher der Studie zufolge dem künftigen Mobilfunkstandard 5G noch wenig Beachtung und wollen für die damit verknüpften höheren Bandbreiten auch nicht tiefer in die Tasche greifen. Ganzen 61 Prozent der Befragten ist 5G "nicht sehr oder gar nicht wichtig". Die Betreiber und Anbieter hätten dessen Nutzen so bislang nicht überzeugend darstellen können, meinen die Berater. Allein die Altersgruppe von 24 bis 35 Jahren lasse "eine geringfügig stärkere Neigung" und Zahlungsbereitschaft erkennen.

Als "Silberstreif am Horizont" macht Deloitte nun trotz offener Haftungsfragen das Internet der Dinge aus. Der Gerätebestand im Konsumentenbereich sei hier "spürbar gestiegen", auch die Kaufabsichten deuteten auf eine nachhaltige Nachfrage hin. Der Wearables-Bestand habe sich in den letzten Monaten mehr als verdoppelt. Trotz zunehmendem Interesse an Technik fürs "Smart Home" oder das vernetzte Auto sei aber auch hier noch "sehr viel Luft nach oben". Eine "verstärkte plattformübergreifende Interoperabilität" sei nötig.
(Stefan Krempl) /

(mho)

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