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Snet in Kuba: Ein Internet mit Billigroutern und ohne Porno

Verglichen mit Kuba kann selbst Deutschland stolz auf seine schnellen Internetanschlüsse sein. Die Karibikinsel verfügt über eine durchschnittliche Bandbreite von 572 Bit pro Sekunde, ein Festnetzzugang kostet je nach Bandbreite mehr als das durchschnittliche Einkommen. Kein Wunder, dass die Kubaner einige sehr spezielle Methoden entwickelt haben, um trotz dieser Einschränkungen Daten auszutauschen und elektronisch miteinander zu kommunizieren. Die Forscher Eduardo Pujol und Will Scott berichteten auf dem diesjährigen Kongress des Chaos Computer Clubs in Leipzig, wie das weltweit wohl größte isolierte Computernetz in Kubas Hauptstadt Havanna, das sogenannte Snet, aufgebaut ist.

Die Probleme des Internets in Kuba hängen mit verschiedenen Faktoren zusammen. Zum einen gebe es aufgrund der politischen Spannungen mit den USA lediglich eine einzige Glasfaserleitung für die Insel, die Santiago de Cuba im Südosten des Landes mit Venezuela verbinde, sagten die beiden Forscher. Zum anderen setze die staatliche Telefongesellschaft Etecsa vor allem auf Wi-Fi-Hotspots, statt die einzelnen Gebäude mit Festnetz auszustatten.

Surfen für einen Dollar pro Stunde

Zwar gibt es in Kuba inzwischen auch ein Mobilfunknetz, doch dessen Nutzung ist ebenfalls extrem teuer. So bezahlen Nutzer des E-Mail-Dienstes Nauta einen Peso Convertible (CUC) pro Megabyte an übertragenen Daten. Dabei entspricht ein CUC einem US-Dollar. Der durchschnittliche Monatslohn im Staatssektor liegt bei etwas mehr als 30 US-Dollar im Monat. Für Touristen bietet Digicel einen Volumentarif von 100 MByte für 25 US-Dollar an. Das sei immerhin noch deutlich billiger als die 200 US-Dollar der Mitbewerber, schreibt das Unternehmen.

Doch auch die staatlichen WLAN-Zugänge sind alles andere als billig. Derzeit kostet das Surfen im internationalen Internet einen US-Dollar pro Stunde. Bei seiner Markteinführung kostete der Dienst noch 4,50 US-Dollar pro Stunde. Billiger sind die privaten Internetanschlüsse zu Hause. Allerdings gibt es bislang nur wenige Hundert DSL-Anschlüsse landesweit, in den kommenden Jahren sollen 38.000 hinzukommen. Eine Leitung für 1 MBit/s kostet 15 US-Dollar und erlaubt 30 Stunden kostenloses Surfen pro Monat. Zugänge für bis zu 4 MBit/s kosten 70 US-Dollar. Nach Ablauf des 30-Stunden-Kontingents kostet jede weitere Stunde ebenfalls einen US-Dollar.

Wochenpaket als Alternative

Kein Wunder, dass die Kubaner alternative Zugänge zu Daten entwickelt haben. Dazu zählt neben dem selbstgestrickten Snet auch das sogenannte El Paquete semanal, das Wochenpaket. Auf einem Datenträger von einem Terabyte werden jede Woche neue Fernsehserien, Filme, Musikdateien oder auch Anwendungsprogramme aufgezeichnet und im Land vertrieben. Je nach Bedarf werden diese wieder auf kleinere Datensticks verteilt.

Das aktuelle Paket vom 1. Januar 2018 enthält 15.429 Dateien in 1.501 Ordnern und umfasst 916 GByte. Der Bedarf besteht auch deshalb, weil Satellitenempfang verboten ist. Die kubanische Regierung toleriert das Wochenpaket unter anderem, weil dort keine regierungskritischen Inhalte oder pornografisches Material verbreitet werden. Inzwischen gibt es sogar Überlegungen von Google, diese Art der Informationsweitergabe zu standardisieren. Allerdings lassen sich viele Anwendungen nur mit vernetzten Computern ermöglichen.

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