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Hörspiel: Die Maschine steht still

Schicke Hörspiel-Adaption des NDR von Edward Morgan Forster 100 Jahre alter Dystopie Die Maschine steht still, in der die Menschheit nach einer Revolution durch künstliche Intelligenz die technischen Bedingungen dieser Revolution vergessen hat und nun in einem Zustand totaler Abhängigkeit in ihren unterirdischen, isolierten Welt gefangen sind. Platos Höhlengleichnis remixed mit Künstlicher Intelligenz also.

Die 100 Jahre alte Story über eine dystopische Zukunft bildet unsere heutige Realität in beinahe beängstigender Weise ab und die Parallelen zu aktuellen Entwicklungen sind einigermaßen mindblowing. Ich hab' das Hörspiel noch nicht ganz angehört, die ersten Minuten (minus die albernen Choräle zu Beginn) sind aber bereits ziemlich großartig.

MP3: https://mediandr-a.akamaihd.net/progressive/2018/0523/AU-20180523-1402-4200.mp3

https://mediandr-a.akamaihd.net/progressive/2018/0523/AU-20180523-1402-4200.mp3

Die Menschen leben in einer unterirdischen, abgekapselten Welt, mit allem Komfort. Ihr Alltag ist durch die Dienstleistungen der "Maschine" perfekt geregelt. Ohne das Bedürfnis nach persönlichen Begegnungen kommunizieren sie nur über elektronische Hilfsmittel, die maximal miteinander vernetzt sind. Alles Körperliche, alles Sinnliche wird durch synthetische Substitute ersetzt. Das Handbuch der Maschine ist zu ihrer Bibel geworden. Doch nach und nach geht das Wissen, das hinter der omnipotenten Technik steckt, verloren. Die dehumanisierte Menschheit ist gefangen in ihrer Abhängigkeit von einer denkenden Apparatur, die sie nicht mehr kontrollieren kann.

Der Hamburger Autor, Komponist, Musiker und Hörspielmacher Felix Kubin haucht der 1909 veröffentlichten, allegorisch-leichtfüßigen Prophezeiung neues Leben ein. Anders als E. M. Forster lässt Kubin die Maschine nicht nur summen, er verleiht ihr Stimmen und lässt sie in diesem Hörspiel eine klangliche Antwort auf ihre Konstrukteure, die Menschen, formulieren:

"Die Maschine als technologische Mutter muss an einem bestimmten Punkt ihre Parasiten abwerfen, um sie wieder in einen erwachseneren Zustand zu versetzen, sie zurück ‚in die Welt‘ zu werfen. Etwas, das für uns im Internetzeitalter sehr wichtig ist. In den 1960er und 1970er Jahren haben wir das Experiment mit dem Körper, der Sexualität, der Politik schon sehr weit getrieben. All das entwickelt sich gerade zurück und verkümmert. Das Leben im kuscheligen Caffe-Latte-Universum mit permanenter Musik-, Porno- und Filmversorgung (und Lieferservices) verhindert jede Auseinandersetzung mit der Welt draußen, die dann nur noch in Form von Explosionen auf sich aufmerksam machen kann." (Felix Kubin)

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