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"Cyber Valley": Gegner fordern mehr Transparenz zu Künstlicher Intelligenz

Mehr als zwei Wochen nach Beginn ihrer Proteste gegen ein Forschungsprojekt haben Studenten der Universität Tübingen mit Wissenschaftlern und der Leitung der Uni diskutiert. Rund 600 Menschen kamen am Dienstagabend zu der gemeinsamen Informationsveranstaltung. Die Gegner kritisieren das "Cyber Valley" – eine Kooperation zur Erforschung Künstlicher Intelligenz. Daran beteiligt sind das Land Baden-Württemberg, die Universitäten Stuttgart und Tübingen und die Max-Planck-Gesellschaft – aber auch Konzerne wie Amazon und Daimler.

Kommerzialisierung der Forschung

Seit Ende November hält die Gruppe von rund 20 Studenten deswegen einen Hörsaal an der Universität Tübingen besetzt. Sie werfen der Universität wegen der Zusammenarbeit mit den Firmen Kommerzialisierung und Ökonomisierung der Forschung vor. "Niemand ist hier abhängig von der Finanzierung durch die Industrie", sagte Informatik-Professorin Ulrike von Luxburg auf dem Podium. Sie ist im Fachbereich für Maschinelles Lernen am "Cyber Valley" beteiligt. Ihren Angaben nach werden fast drei Viertel der Finanzierung des Forschungsverbunds durch öffentliche Gelder von Bund, Land oder Max-Planck-Gesellschaft abgedeckt.

Die Gegner des "Cyber Valleys" halten der Universität Intransparenz vor und verlangen einen gesellschaftlichen Diskurs zum Thema Künstliche Intelligenz. "Wir haben den Hörsaal besetzt, weil es davor keinerlei Öffentlichkeit für das Thema gegeben hat", sagte Dominik Wetzel, ein Sprecher der Gruppe. Universitätsrektor Bernd Engler meinte: "Wir akzeptieren, dass ein Informationsbedürfnis besteht." Deshalb werde der Hörsaal nicht geräumt. Außerdem bemühe sich die Universität derzeit, ein Zentrum für Verantwortung in einer digitalen Gesellschaft einzurichten.

Militärische Nutzung nicht auszuschließen

Konkret kritisieren die Besetzer beispielsweise, dass Partner aus der Automobilindustrie am "Cyber Valley" beteiligt sind. Außerdem fürchten sie, im "Cyber Valley" werde Forschung zu militärischen Zwecken betrieben. Von Luxburg verwies auf die Zivilklausel der Universität Tübingen, die ihren Angaben nach den Einsatz für friedliche Werte festlegt. Sie sagte aber auch: "In dem Moment, in dem man Forschung veröffentlicht, kann man der Problematik nicht entkommen, dass jeder sie für seine Zwecke benutzen kann."

(mho)


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