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Apple: Eigene Datenbank für Standortdaten, periodische Orts-Übermittlung durch iOS-Geräte

Um einem iPhone, iPod touch, iPad oder Mac mit Snow Leopard seinen aktuellen Aufenthaltsort mitzuteilen, setzt Apple inzwischen auf eine eigene "proprietäre Datenbank", deren Standortinformationen zu Mobilfunkmasten und WLAN-Basisstationen jeweils durch die von den iOS-Geräten übertragenen Daten gepflegt werden. Für iPhone OS 1.1.3 bis iPhone OS 3.x griff (und greift) Apple dafür noch auf die Datenbanken von Google sowie Skyhook Wireless zurück und war offenbar erst seit April des laufenden Jahres in der Lage, sich von den umfangreichen Ortsdatenbanken dieser Unternehmen zu lösen.

Ruft man mit dem iPhone unter iOS 4.x (oder dem iPad unter iOS 3.2) seinen aktuellen Aufenthaltsort ab, dann überträgt das iPhone die Informationen über die Mobilfunkmasten (Ort, Cell-ID, Signalstärke) sowie WLAN-Basisstationen (Ort, MAC-Adresse, Signalstärke und Geschwindigkeit) der eigenen Umgebung in Kombination mit den GPS-Koordinaten an Apple und die Datenbank des Unternehmens liefert den Aufenthaltsort zurück.

Zur Pflege und Aktualisierung dieser Datenbank "sammelt und überträgt" Apple auch Informationen zu Mobilfunkmasten und WLAN-Basisstationen "automatisch", solange die Ortungsdienste in den Einstellungen aktiviert sind und der Nutzer eine App einsetzt, die auf Standortdaten zurückgreift - dann sammelt ein iOS-Gerät "periodisch und anonymisiert" die weiter oben aufgeführten Informationen zu den Mobilfunkmasten und WLAN-Basisstationen (jeweils kombiniert mit den GPS-Koordinaten), die das Gerät "sieht". Diese Informationen werden "gebündelt", "verschlüsselt" und dann alle zwölf Stunden über eine WLAN-Verbindung (oder zu einem späteren Zeitpunkt, wenn gerade kein WLAN verfügbar ist) an Apple übertragen. Zudem sammeln iOS-Geräte mit GPS-Modul die Informationen zu WLAN-Basisstationen und die jeweiligen GPS-Koordinaten, wenn das Gerät nach dem Mobilfunknetz sucht - in diesem Zustand sammelt das iPhone für rund dreißig Sekunden Informationen zu den WLAN-Basisstationen der unmittelbaren Umgebung, welche dann ebenfalls an Apple übertragen werden. Außerdem betont Apple, dass von den WLAN-Basisstationen ausschließlich die MAC-Adresse erhoben werde und nicht der Name des Netzwerkes (SSID) oder die im WLAN übertragenen Daten ("payload data"). Keine der in dieser Form an Apple übertragenen Informationen sollen mit einem bestimmten Nutzer oder Gerät verknüpft sein.

Apple sammelt ebenso periodisch GPS-Informationen, die die iOS-Geräte mit GPS-Modul (iPhone, iPad 3G) übermitteln, wenn eine App genutzt wird, die auf die GPS-Koordinaten zurückgreift. "GPS-Informationen können zum Beispiel dafür genutzt werden, um das Verkehrsaufkommen in verschiedenen Gebieten zu analysieren", so Apple - das Unternehmen könnte also auch in dieser Hinsicht zu einem späteren Zeitpunkt mit den gesammelten Daten eigene Dienste anbieten, die z.B. zu TomToms HD Traffic in direkte Konkurrenz treten würden. Die GPS-Informationen werden zusammen mit einer "zufälligen Identifikationsnummer", die das iOS-Gerät alle 24 Stunden generiert, an Apple übertragen. "Die GPS-Informationen können keinem bestimmten Kunden oder Gerät zugeordnet werden", so Apple.

Kleiner Einschub: Zur Nutzung des von MobileMe angebotenen Dienstes "Find my iPhone" sind "personenbezogene Daten" natürlich erforderlich - wie Apple allerdings mit diesen Daten verfährt, bleibt unklar.

Apple sammelt außerdem Diagnoseinformationen von "zufällig ausgewählten iPhones" zur Analyse - so kann Apple beispielsweise zu Beginn und am Ende eines Telefonats den "ungefähren Aufenthaltsort" ermitteln, um zu untersuchen, ob Empfangsprobleme oder abgebrochene Telefonate an einem bestimmten Ort bei mehreren Geräten auftreten oder wiederholt bei ein und demselben Gerät. Diese Daten werden nur dann erhoben, wenn der Übermittlung von Diagnoseinformationen durch den iPhone-Nutzer explizit zugestimmt worden ist.

Für die (bislang nur in den USA gestartete) iAd-Werbeplattform unterscheidet Apple zwischen "interessenbasierter Werbung" und "ortsbasierter Werbung". Die interessenbasierte Werbung baut auf den eigenen Einkäufen im iTunes Store auf und diesem Tracking kann man sich geräteweise per Opt-Out entziehen. Der ortsbasierten Werbung lässt sich dahingegen nur entkommen, wenn die Ortungsdienste komplett in den Einstellungen deaktiviert werden. Sind diese der Standardeinstellung entsprechend aktiviert, dann ermittelt das iOS-Gerät die eigenen Koordinaten sobald ein iAd-Aufruf in einer App durchgeführt wird und überträgt die Koordinaten des Aufenthaltsorts an Apples iAd-Server - dieser konvertiert die Koordinaten "sofort" in eine Postleitzahl bzw. einen Zip-Code, welcher wiederum die Auslieferung einer ortsrelevanten Werbeanzeige übernimmt. Apple zeichnet zwar nicht die Koordinaten aber dafür den ermittelten Zip-Code für sechs Monate auf und gibt diese Daten nach eigener Angabe nicht an Werbekunden weiter. Nach den sechs Monaten könnte die Information für "administrative Zwecke" aggregiert werden, so Apple. Eine eigene iAd-Datenbank merkt sich zudem, welches Banner bereits auf welchem einzelnen iOS-Gerät ausgeliefert worden ist, um die wiederholte bzw. duplizierte Einblendung von Bannern zu vermeiden - auch diese Datenbank kann angeblich nur Apple einsehen.

Dieses Sammeln und Übertragen von Standortdaten durch Apple lässt sich nur dann vermeiden, wenn die Ortungsdienste in den iOS-Einstellungen komplett deaktiviert worden sind.

Apple geht auch kurz auf die "Partner und Lizenznehmer" ein, die die Standortdaten verwenden können: Unter den Lizenznehmern versteht Apple die App-Entwickler, deren Anwendungen -nach Zustimmung des Nutzers- auf die Standortdaten zurückgreifen. Mit den "Partnern" sind Google und Skyhook gemeint, deren Datenbanken zu Mobilfunkmasten und WLAN-Basisstationen bis iPhone OS 3.x zum Einsatz kommen.



Link zum Dokument für iPad und iPhone.

Dieser weitreichende Einblick in Apples Sammlung und Handhabung von Standortdaten in einer eigenen Datenbank ergibt sich aus den Angaben des Unternehmens auf eine Anfrage zweier US-Kongressmitglieder hin - insofern trägt der verspätete politische Aktionismus bereits erste Früchte. Inwiefern Apple auch den deutschen Datenschützern den geforderten "Einblick in die Datenbanken" gewährt, wird sich noch zeigen müssen. (via LA Times Technology)

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